Kirchen

Sankt Marien Liebfrauen & Sankt Michael in Berlin-Kreuzberg

Marien LiebfrauenIn dem neoromanischen Bau von 1905, etwas versteckt in der Straßenflucht der Wrangelstraße ist eine traditionsreiche und für katholische Verhältnisse in Berlin alte Pfarrei zu Hause. 1895 ist sie als Tochter von Sankt Michael gegründet worden. 1905 war die schöne und repräsentative Kirche fertig. Ihre Erbauung wurde durch einen frommen Spender von außerhalb ermöglicht. Die Gemeinde war zwar groß an Zahl, aber genauso groß war die Not bei den Katholiken, die als oft als Arbeitsmigranten vom Land in die Großstadt kamen.

Kreuz St. Marien Liebfrauen Kreuzberg

Kreuz in  St. Marien Liebfrauen

Auch damals war der Stadtteil ein „sozialer Brennpunkt“ Nach dem 2. Weltkrieg waren alle froh, überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung und dem Wohnungsbau in den neu entstehenden Vororten zogen auch viele weg. Die Randlage Kreuzbergs nach dem Mauerbau verstärkte den sozialen Niedergang und den Verfall der Bausubstanz. Die Armen blieben und die Neukreuzberger, vielfach Studenten fanden keinen Zugang zu einem konventionellen Gemeindeleben.
Anfang der 80iger Jahre kamen die Schwestern von Mutter Teresa ins Pfarrhaus und eröffneten eine Suppenküche. Pfarrer Klaus Kliesch engagierte sich in der Stadtteilarbeit und öffnete die Gemeinde für neue Gruppen und für ein stärkeres soziales Engagement. Die Priestergemeinschaft der Fokulare und Pfarrer Georg Schlütter führten diese Öffnung weiter. So gibt es heute eine Gemeinde, in der auch Arme und am Rande der Gesellschaft Stehende einen Platz haben. Auf diesem sozialen Hintergrund bekommt auch die Botschaft des Evangeliums eine andere Aussagekraft.

Innenraum von St. Marien Liebfrauen

Innenraum von St. Marien Liebfrauen

Die schön renovierte Kirche lädt zu einer feierlichen Liturgie ein und bildet einen Rahmen der das Herz und den Geist erhebt. Es  herrscht auch eine große Offenheit für unterschiedliche Menschen und Ideen. Von dieser Atmosphäre fühlen sich auch Leute angesprochen, die sich mit einer Normalgemeinde nicht identifizieren können. Dabei müssen wir gar keine besonderen Aktionen auf die Beine stellen, es ergibt sich einfach vieles aus der eigenen Situation der Leute heraus.

Seit Pfingsten 2013 läutet in St. Marien (Liebfrauen) eine Glocke. Sie stammt (laut Archivar St. Bonifatius) aus der entwidmeten Kirche St. Agnes, Kreuzberg, eine Dauerleihgabe der Stadtverwaltung (des heutigen Senats) bis der Eigentümer sich melden würde. St. Agnes hatte sie nach dem Krieg von einem Glocken-Sammellager bekommen. Dorthin brachte man alle Glocken aus den zerstörten Kirchen und dokumentierte sie, um sie beim Wiederaufbau zurückgeben zu können. Leider sind bei dem großen Brand alle Unterlagen zerstört worden. Niemand wollte die “obdachlose” Glocke haben. -  Nun, welch ein Wink des Schicksals! – Der neue Besitzer der entwidmeten Kirche St. Agnes auch nicht (mehr). Unter unserem vorigen Pfarrer Olaf Polossek kam sie im April 2012 nach St. Marien, wo sie neuerdings ihren Klang über die Dächer des Wrangelkiezes enfaltet. Ihr Ton ist ein GIS.

Sankt Michael

Die Sankt Michael Gemeinde war die zweit- oder drittälteste katholische Gemeinde in Berlin nach der Reformation. Die Kirche am Engelbecken ist im 2. Weltkrieg schwer beschädigt worden und wurde nur zum Teil wieder hergestellt. Durch den Mauerbau wurde die Gemeinde geteilt. Die Katholiken in Kreuzberg hatten nun keinen Zugang mehr zu ihrer Mutterpfarrei. In den sechziger Jahren wurde dann am Alfred–Döblin-Platz eine eigene Kirche mit Pfarrhaus und Gemeindezentrum errichtet. Bis Anfang der 80iger Jahre wurde ein konventionelles Gemeindeleben weitergeführt. Allerdings mit einem zahlenmäßigen Schwund der Gemeindemitglieder, bedingt durch die sozialen Veränderungen im Stadtteil.

Als 1983 ein Mitglied der im Kiez ansässigen Jesuitenkommunität Pfarrer wurde, hat sich die Gemeinde den Herausforderungen in Kreuzberg mehr und mehr angenommen und sich den verschiedenen Gruppen und neuen Bewohnern geöffnet. Vor allem hat sich die Gemeinde im sozialen Engagement profiliert. Als in Sankt Marien Liebfrauen eine Priesterwohngemeinschaft ansässig wurde, hat einer der Mitglieder

Bild vom Schmerzensmann in Sankt Michael
die Gemeinde als Pfarrer übernommen und später Sankt Michael mitbetreut. Wegen der Unterschiede im Selbstverständnis der Gemeinden ist es nach der Maueröffnung nicht zur Wiedervereinigung von Sankt Michael Ost und West gekommen. Die Kreuzberger Gemeinde Sankt Michael wurde 2000 mit Sankt Marien Liebfrauen fusioniert, die eine ähnliche soziale Struktur und Ausrichtung hat. Sankt Michael, Mitte, wurde im Herbst 2003 mit der Domgemeinde Sankt Hedwig zusammengeschlossen.

Direkt neben der Kirche Sankt Michael in der Waldemarstraße ist  eine Gemeinschaft von Schwestern der Sießener Franziskanerinnen und die katholische Kita ansässig. Die Schwestern sind neben ihrer Tätigkeit in der Kita besonders für die Armen da, die sie in ihren Konvent einladen und mit denen sie das Leben teilen wollen. Im Sonntagsgottesdienst gehen wir besonders auf die Familien mit Kindern ein, wollen aber auch die Anliegen und Bedürfnisse derer berücksichtigen, die eine offene und authentische Liturgie suchen, die die Fragen und die Mentalität der heutigen Zeit anspricht. Auf der Suche nach Kooperationspartnern haben wir in der Jugendseelsorge des Erzbistums und in deren Anliegen eine Jugendkirche für Berlin zu finden, Bündnispartner gefunden, die uns helfen unseren Standort zu erhalten und uns weiter zu entwickeln. Neben unseren Veranstaltungen werden also besonders Jugendliche in unserer Kirche ein für sie attraktives Angebot finden.

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