St. Marien Liebfrauen

Etwas versteckt in der Straßenflucht der Wrangelstraße ist eine traditionsreiche und für katholische Verhältnisse in Berlin alte Pfarrei St. Marien Liebfrauen zu Hause. 1898 ist sie als Tochter von St. Michael gegründet worden. Die von dem Mainzer Dombaumeister Ludwig Becker im neoromanischen Stil gebaute Kirche wurde 1905 eingeweiht. Finanziert wurde sie zum großen Teil vom Bonifatius-Verein, dem eine größere Summe für den Bau einer Marienkirche in Berlin von dem Wiesbadener Architekten Heinrich Sonntag gespendet worden war.

Auch damals war der Stadtteil ein „sozialer Brennpunkt“ Nach dem 2. Weltkrieg waren alle froh, überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung und dem Wohnungsbau in den neu entstehenden Vororten zogen auch viele weg. Die Randlage Kreuzbergs nach dem Mauerbau verstärkte den sozialen Niedergang und den Verfall der Bausubstanz. Die Armen blieben und die Neukreuzberger, vielfach Studenten fanden keinen Zugang zu einem konventionellen Gemeindeleben.

Die Schwestern der Mutter Teresa sind seit dem 2. Februar 1983 in St. Marien Liebfrauen. Dort eröffneten sie eine Suppenküche. Pfarrer Klaus Kliesch engagierte sich in der Stadtteilarbeit und öffnete die Gemeinde für neue Gruppen und für ein stärkeres soziales Engagement. Die Priestergemeinschaft des Fokulare und Pfarrer Georg Schlütter führten diese Öffnung weiter. So gibt es heute eine Gemeinde, in der auch Arme und am Rande der Gesellschaft Stehende einen Platz haben. Auf diesem sozialen Hintergrund bekommt auch die Botschaft des Evangeliums eine andere Aussagekraft.

Die schön renovierte Kirche lädt zu einer feierlichen Liturgie ein und bildet einen Rahmen der das Herz und den Geist erhebt. Andererseits herrscht auch eine große Offenheit für unterschiedliche Menschen und Ideen. Von dieser Atmosphäre fühlen sich auch Leute angesprochen, die sich mit einer Normalgemeinde nicht identifizieren können. Dabei müssen wir gar keine besonderen Aktionen auf die Beine stellen, es ergibt sich einfach vieles aus der eigenen Situation der Leute heraus.

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